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5. Klasse - Zeugnissprüche

Die Wolken über uns durchbricht,
durchbricht das warme, helle Licht,
Licht, das in allem Leben webt,
webt auch in mir, wo Tatkraft strebt.

Froh ist, wenn vor seinem Wagen
edelste Rosse hinjagen
der Streiter in aufrechtem Stand,
die Zügel in kräftiger Hand.
Solch prächtige Kräfte zu führen
mag wahrhaft nur Jenen gebühren,
die zielvoll den Wagen auch lenken -
dem Mensch dient als Richtkraft sein Denken.

(Der folgende Spruch ist die Abwandlung eines Spruches von Lore Schäfer, die viele sehr schöne Zeugnissprüche geschrieben hat. Er steht hier als "Hommage" an diese wunderbare Lehrerin.)


Psyche hieß der blütengleiche
Schmetterling im Griechenreiche.
Psyche heißt auch meine Seele,
dass ihr nie der Hunger fehle,
an den Erd- und Sonnengaben
unablässig sich zu laben,
bis sie lernt, im Gottvertrauen
mutig an der Welt zu bauen.

Schaust du in Gottes Natur,
spricht Weisheit aus jeglichen Dingen.
Blickst du dem Menschen ins Herz,
kann Wärme die Seele durchdringen.
Wissen erwächst aus dem Leben,
Liebe erblüht, wenn wir geben.

Dem Adler gleich, zu klarem Überschauen,
vermag der Mensch sich denkend zu erheben;
gleichwohl ist ihm als Auftrag mitgegeben, 
auf Erden an der Welt zu bauen.
Was seinem Geist in Höhen wird verkündet, 
wird erst, wenn er sein Herz damit entzündet
und liebend sucht, der Welt davon zu geben,
als Schönheit in der Welt - als Wahrheit in ihm leben.

Ruhe, tiefe, stille Ruhe webt sich durch den Tannenwald,
ernst und schön hebt Tann´ um Tanne ihre hohe Baumgestalt.
Vögel geben sich in Wipfeln und im Lichte singend Kunde,
andre, scheue, Tiere finden Schutz am tiefen Wurzelgrunde.
Aufrecht muss ein Baum - und stark - sein, um im Wald zu leben;
aufrecht muss der Mensch sich auch, dem Baume gleich, erheben,
um sich selber Kraft - und Kraft der Welt zu geben.

Das Leben gleicht einem Wasserlauf,
und manch einer lässt sich drauf treiben;
doch streben die Mutigen kraftvoll bergauf,
bergauf um nicht Treibgut zu bleiben.
So strebt auch der Lachs zu den bergigen Quellen - 
er ruht nicht, bevor es geschafft:
dem Strome entgegen, durch Wirbel und Schnellen,
erwirbt er sich dauernde Kraft.

Hell und aufrecht ragt im Moor
eine Birke hoch empor,
lässt durch ihre Lichtgestalt,
was am Grunde formlos wallt,
strömen, dass es sich erhebe,
Form erschaffend aufwärts strebe
und, was es an Licht erringe,
wieder in die Tiefe bringe.

Menschen urvergang´ner Zeiten
schauten hoher Himmelweiten
Göttlich Licht.


Perser kämpften, dass der Erde
Dunkel lichtdurchsonnet werde -
Heil’ge Pflicht!


Heut wird uns im Gottvertrauen,
wenn wir handeln, wenn wir schauen -
Seelenlicht.

Wellen siehst du sprühend schnellen
wo an Quellen, Wasserfällen,
Steine sich ins Flussbett stellen.
Einem Strome kann dagegen
nichts so schnell den Weg verlegen,
seinen ernsten, ruhigen Lauf
hält kein Stein und Felsen auf.

Wenn die feinen Blütendüfte
durch die sommerwarmen Lüfte
wehen, leicht, als wenn wir träumen,
steigen sie aus Blütensäumen,
die als Blumen zwar im Lichte
blüh´n, doch auch die Erdendichte
mit dem Wurzelwerk ergreifen,
langsam bis zur Blüte reifen.
Was in lichte Freiheit mündet,
ist auf Erden fest gegründet.

Ein Spiegel kann recht hilfreich sein,
um Schönheit für den Augenschein
und Lebensart zu geben.
Die Schönheit wird dir nie verweh´n,
bleibst du nicht vor dem Spiegel steh´n:
Such sie in deinem Leben!
Lässt du dein Herz für andre glüh´n,
wird dort die wahre Schönheit blüh´n.

Ein Busch, vom Gärtner kurz gestutzt,
erscheint ganz neu herausgeputzt,
wenn zarte, grüne Blätter
im frischen Frühlingswetter
ihm Kraft zu neuem Leben
in Licht und Wärme geben.
Stärkt nicht ein Widerstand
auch mir Mut, Herz und Hand?

Farbenwitzig blitzend leuchtet rot der Mohn;
kaum erblüht, versprüht, verblüht er schon,
dürre raschelt bald sein Stil im Wind, im Weh´n -
für den Augenblick erblüht, nicht zum Besteh´n.
Stiller ist´s, wo Rosenknospen ihre Kraft im Innern halten,
leise und verborgen sie erst ausgestalten,
dornenüberwindend glüh´n,
um in reicher Schönheit zu erblüh´n.

Was den Aar zum König macht,
ist nicht allein sein hoher Flug,
auch sind scharfe Krallen dafür nicht genug,
nicht der klare Blick, die starken Schwingen,
sondern dies vor allen Dingen.
Dass er seine Kraft als Fürst beherrschen kann -
Selbstzucht macht den Edelmann.

Wie sollen Menschenaugen
zum rechten Sehen taugen,
wenn sie sich nicht zum Hellen,
zum Licht und Schönen stellen?
Ein wirklich freier Mut -
wirkt gut.

Dem raschen Urteil zeigt sich nur der Schein.
Geduld führt, wie die Liebe, hin zum Wesen.
Dem flücht´gen Blick erscheint ein Same nur als Stein -
Allein wer wartet, wird sein Rätsel lösen.
Ein Wesen schließt sich jenem auf,
der mit ihm wächst im Zeitenlauf.

Hell sind die Blumen vom Lichte umgeben,
Umgeben mit Wärme ist wachsendes Leben,
wachsendes Leben aus himmlischer Kraft,
Kraft, die auch Menschen in Seelen schafft.
Schafft in der Seele dem Menschen den Mut,
Mut und Vertrauen, dass, was er auch tut,
Tut er es nur in gerichtetem Streben:
Klarheit wird´s ihm - und auch Lebenskraft geben.

Auch ein schneller Segler, der die Wogen teilt,
wäre Treibgut, fände er nicht Halt
gegen Strömungen mit seinem Kiel;
wäre auch den Winden nur zum Spiel,
wenn er nicht mit seinem hohen Maste
alle Kraft in Eins zusammenfasste.
Was im Menschen diese Einheit schafft,
ist sein Denken, seine Herzenskraft.

Fest umschließt der Kelch die Blüten,
knospend kann er sie behüten,
bis sie durch die reinen Kräfte
ihrer klaren Pflanzensäfte
jenem Augenblick zureifen,
wo sie diesen Schutz abstreifen,
um nun ganz im Licht zu leben,
Duft und Nektar hinzugeben.
Mensch, so sollst auch du es halten
und mit Mut die Welt gestalten.

Siehst du die hurtigen, sonnenhell blitzenden,
tanzenden Wellen, die funkenschnell glitzenden,
wie sie entsteh´n und vergeh´n?
Will eine Seele nicht ebenso treiben,
Spielball von Wellen und Winden nur bleiben -
tiefer, zum Grund wird sie geh´n,
wird denkend das Glitzern durchdringen
und Tiefe im Fühlen erringen.

Schaffende Götterscharen
im Worte die Welt gebaren.
Flammend wie Feuerglut
wachse den Menschen Mut,
Hohes im Herzen zu tragen,
durch Worte auch Hohes zu sagen.

Wie nach dem Dunkel der tief stillen Nacht
morgens die Welt neu im Lichte erwacht,
so blüht auch und grünt in sich wandelndem Flor
im Frühling aus Stoppeln das Leben hervor;
Und mäht man das Gras, dass es Tiere ernähre,
die Erde noch frischeres wieder gebäre,
dann siehst du, wie Wachsendes, Neues entsteht,
wo Fertiges schwindet, wo Altes vergeht.

Wenn ein Baum wächst, ist es Lebenskraft, die ihn aufrichtet;
Seelenkraft wächst, wo ein Mensch sich selbst verpflichtet.

Auf dem höchsten Mast, der Segel trägt,
steht ein Fähnchen, immer fort bewegt,
das vom Osten hin zum Norden, Westen, Süden
weist und deutet, ohne zu ermüden.
Drunter siehst du starke Segel stehen,
die sich vor dem gleichen Winde blähen
und dem Schiff die ruhige, schnelle Fahrt verleih´n -
Stark soll auch die Fahrt des Menschen sein;
und er soll, was ihm in seinem Denken
klar wird, durch sein Handeln weiterschenken.

Fest sind die Samen der Früchte umgeben,
doch dienet ihr Schutz nur dem künftigen Leben,
denn soll nur das zarteste Blatt sich entfalten,
müssen die Erd-, Luft- und Lichtesgewalten,
auch Wasser und Wärme die Pflanze erfüllen -
allein könnte sie niemals ihr Wesen enthüllen.

Aufrecht erhebt sich die Lilie,
entringt sich der Schwere der Erde,
entfaltet im Lichte die Blüte,
in andächtig-stiller Gebärde.
Aufrecht vermag eine Seele
zum Wahren und Guten zu streben,
mit Licht und mit Kraft und mit Klarheit
wird sie sich erblühend durchweben.

Wendest du dein Angesicht
hin ins helle Sonnenlicht,
kann dein Auge nichts mehr sehen;
schaust du, wie das Licht, zur Erde,
wo im Lichtschein Farben werden,
wirst du ihren Reichtum sehen.
Hell und reich wird im Betrachten
Alles, was wir liebend achten.

Wer seine Kräfte üben kann,
wenn’s Not tut, nicht nur dann und wann,
wird immer neu sich wandeln;
und Klarheit leuchtet dir im Blick,
scheust du nicht vor dem Schritt zurück,
mit Mut und Schwung zu handeln.

Vollendet ist für Berg und Wald,
für Feld und Meer die Tiergestalt -
ist schön nach ihrer Art;
allein, der Mensch bewahrt
sich Kräfte auf, die in ihm ruh´n
und erst durch seiner Hände Tun
die Schönheit einverweben
der Welt und seinem Leben.

Nacht, mondlos, stumm - wo ist der Steg
durchs Moor? Ein Mann sucht seinen Weg
und kommt alleine durch die Nacht
weil er, der lauscht und späht und wacht,
das Dunkel sicher überwindet,
indem er Licht im Denken findet.

Schön ist’s, an dem stillen See zu liegen,
mit dem Schilf sich leicht im Wind zu wiegen
an dem Wasser, welches klar ist bis zum Grund.
Wären unter seiner ruhigen Fläche
nicht die strömenden, die hellen, Bäche,
brächten sie nicht frisches Wasser Stund´ um Stund´:
wär´ der See bald nur ein trüber Tümpel,
voller Schlick und muffigem Gerümpel,
dumpf und lichtlos bis zum Grund.
Leben kann aus seinen Tiefen sprießen,
wo Bewegung sich und Licht in ihn ergießen.   
Erst mit starken Strömen reiner Quellen
kann der See sich immer neu durchhellen.

Größe kann jeder erringen,
der lernt, sich selbst zu bezwingen.